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Fledermausland (Oliver Dierssen)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 26. Dezember 2009

Heyne (Dezember 2009)
Paperback, Klappenbroschur,
448 Seiten, € 12,95 [D] | CHF 23,90
ISBN: 978-3-453-26663-6

Genre: Fantasy / Humor


Klappentext

Sind Sie schon einmal nackt einer Fledermaus begegnet?

Das ist nur eines der Probleme, mit denen Sebastian Schätz zu kämpfen hat, und langsam weiß er nicht mehr weiter: Die GEZ hetzt ihm eine Bande von Zwergen auf den Hals. Auf einer Toilette wird er von einem depressiven Vampir überfallen. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Frau, die er liebt, gar kein Mensch ist. Kann es für Sebastian noch schlimmer kommen? Ja, es kann ... Willkommen im Fledermausland!

Sebastian Schätz treibt eher planlos durch Hannover. Soll er studieren oder einfach weiterjobben? Das Leben genießen oder den Forderungen seiner Eltern nachgeben, endlich „etwas Sinnvolles“ zu machen? Und dann ist da noch die Sache mit seiner Freundin Kim: Die ist zwar überirdisch schön, hält ihn aber auf Abstand, um ihren labilen Exfreund nicht zu verletzen. Also ist für Sebastian Priorität Nummer eins, Kim ganz für sich zu erobern.

Doch dann häufen sich plötzlich seltsame Ereignisse: Erst muss er sich nachts gegen eine Fledermausattacke zur Wehr setzen, und der eilig herbeigerufene Rettungsdienst scheint ihn nicht wirklich ernst zu nehmen. Am nächsten Tag vermasselt ihm ein depressiver Typ, der sich für einen Vampir hält, das Date mit Kim. Und dann machen sich in seiner Wohnung Wesen breit, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Wo ist er da nur hineingeraten? Ist die ganze Welt verrückt geworden? Oder nur er selbst? Sebastian hat keine Zeit, darüber nachzudenken, denn die längste und wildeste Nacht seines Lebens beginnt – und am Ende ist nichts mehr, wie es einmal war …

LESEPROBE


Rezension

Willkommen im Kabinett der Absurditäten! Ob Depri-Vampire, grimmige GEZ-Zwerge oder Oger, die mehr Muttersöhnchen als Ungeheuer sind – hier wird dem humorbegeisterten Leser einiges geboten. Angefangen beim Protagonisten Sebastian Schätz, bei dem „planlos“ eine unfassbare Untertreibung ist. Der junge Mann ist nicht nur das personifizierte Chaos, er zieht dasselbige unweigerlich an und kann dann noch nicht einmal Nein sagen. Also hört er sich geduldig sämtliche Details einer vampirischen Lebenskrise an, wobei er doch selbst Probleme hat, z.B. lässt ihn seine geliebte Kim nicht ran. Und dann hat er auch noch mit einem unerwünschten Untermieter zu kämpfen, der ihn mit seinem krankhaften Putzfimmel in den Wahnsinn treibt. Nun ja, die Reinheitssucht hat natürlich auch gewisse Vorteile, doch die zwielichtige Gestalt, die sich ganz ungeniert unter Sebastians Spüle einquartiert, ist dem Hannoveraner nicht ganz geheuer und auch der Leser weiß bald nicht mehr, ob man der übereifrigen Haushaltshilfe trauen kann …

„Du wirst ein bisschen verrückt, Schätz, sagte ich zu mir. Eine Nacht durchgesoffen, abgestürzt und schon spielst du mit deinem Duschkopf.“ (Seite 105)

Das Fledermausland erlebt man aus Sebastians Sicht, der schon allein durch seine Ausdrucksweise die Lachmuskeln kräftig reizt. Hinzu kommen ein paar überzogene Aktionen, eine beinahe krankhafte Verliebtheit, zu viel Alkohol und ein viel zu gutes Herz, das sich in den unpassendsten Momenten meldet. Sebastian ist als Protagonist einfach supersympathisch, auch wenn man sich das ein oder andere Mal an den Kopf fassen mag und denkt: Das darf doch nicht wahr sein, was tut er denn da?! Schon zu Beginn erlebt man seine hysterische Reaktion auf eine Fledermaus, die sich in sein Schlafzimmer verirrt hat, und kann erahnen, dass mehrere Begegnungen mit paranormalen Kreaturen, die ihn zudem noch wegen einem nicht angemeldeten Fernsehgerät dumm anmachen, zu kleinen und großen Ausrastern führen. Endlich ein Held, der zu seinen psychopathischen Neigungen steht und es sich erlaubt, auch einmal die Nerven zu verlieren. Und auch Sebastians Freunde und Feinde können überzeugen – wie der Roman selbst sind sie grotesk und liebenswert.

Sebastians Leben steht schnell Kopf und eine Skurrilität jagt die nächste. Dennoch gelingt es Oliver Dierssen, den Roman in sich logisch zu gestalten und bis zum Ende überraschende Wendungen zu bieten. Immer, wenn man denkt, durchgeknallter geht’s nicht mehr, zaubert der Autor die nächste kranke Idee aus seinem Strohhut. Dabei bietet Hannover, insbesondere der Stadtteil Kleefeld, das Setting zu einer verrückten Geschichte, in der man nicht weiß, ob alles wirklich passiert oder Sebastian einfach nur den Verstand verloren hat. Und genau hier eine Warnung: „Fledermausland“ ist unheimlich komisch, könnte aber für manch eingefleischten (Dark) Fantasy Fan zu viel des Guten sein. Ernsthafte Gemüter könnten sich über die verdrehte, aberwitzige Darstellung ihrer Lieblingskreaturen mokieren – alle anderen, die es gern satirisch und ein wenig psychotisch mögen, werden diesen Roman lieben! Einziges Manko bleibt das Ende, das zwar die wichtigsten Details überzeugend auflöst, aber nicht alles zufrieden stellend aufklärt. Es bleibt zwar Raum, sich seinen Teil zu denken, aber wenn man Charaktere so lieb gewinnt, möchte man auch am Schluss noch etwas mehr über sie erfahren.

„Schätz, dachte ich, jetzt ist es so weit. Du kauerst nachts in Haltestellenhäuschen und unterhältst dich mit Werbepostern. Du musst raus aus der Pfütze, schleunigst unter ganz normale Menschen, sonst drehst du völlig durch.“ (S. 275)

Die Ich-Perspektive ermöglicht es Oliver Dierssen zudem, auch einmal sehr direkte Worte fallen zu lassen. Hier wird nichts beschönigt und man kauft Sebastian einfach jeden Gedankengang ab. Die Geschichte ist durchweg amüsant geschrieben und hebt sich stilistisch nicht nur in punkto Humor von anderen Fantasyromanen ab. Oliver Dierssen schreibt einfach herrlich locker und dabei dennoch durchdacht und glaubwürdig. Da wünscht man sich gleich, dass mehr Autoren ihren Klammergriff um handwirkliche Richtlinien lösen und etwas Eigenes versuchen würden. Denn wie man hier sieht, kann das wunderbar funktionieren. Bleibt zu hoffen, dass der Autor weiterhin fleißig schreibt und „Fledermausland“ nicht das einzige Lachfeuerwerk bleibt!

Zum Format: Auch „Fledermausland“ wird von Heyne als großes Paperback präsentiert, dessen Schrift nicht nur für schlechte Augen geeignet ist, sondern auch zu einem grenzwertigen Preis führt. Denn für diesen biegt sich der Buchrücken leider ziemlich stark durch beim Lesen. Die Aufmachung an sich passt dafür super zur Geschichte und kann durch und durch als gelungen bezeichnet werden. Und für die tolle Geschichte lohnt sich das Geld immerhin.


Fazit

„Fledermausland“ ist hochgradig absurd – im positivsten Sinne. Oliver Dierssens Debüt bietet eine Fülle von skurrilen Ideen, die er gnadenlos umsetzt und damit die Lachmuskeln seiner Leser strapaziert. Mit ganz viel Situationskomik und erfrischend originell geschrieben!


Pro & Contra

+ durchgeknallt und absurd
+ supersympathischer Protagonist
+ durchweg spannend
+ überraschende Wendungen
+ jede Menge Situationskomik

o für manche wohl zu albern
o Humor für Erwachsene

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 3/5


Interview mit Oliver Dierssen (November 2009)

Rezension zu "Fausto"

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 19. Februar 2011
 

Kommentare  

#2 fledermauslandjens löser 2010-06-23 13:47
definitiv das beste was in den letzten monaten dabei war...sagte man mir.
gekauft,gelesen,überzeugt!!
ich kann mich der obenstehenden rezension nur anschließen,
nur eine frage bleibt offen - welche zielgruppe hat sich dierssen vorgestellt??
#1 FledermauslandIsa 2010-01-04 16:53
Ich habe bis jetzt nur eine Leseprobe von dem Buch gelesen und es war schade, dass die Leseprobe so schnell durchgelesen war.

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