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Ubik (Philip K. Dick)
Geschrieben von Jeremy
Donnerstag, der 21. Januar 2010

Heyne ( 2. Auflage, November 2003)
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten, 11,5 x 18,0 cm
€ 9,95 [D] | € 10,30 [A] | CHF 18,90
ISBN: 978-3-453-87336-0

Genre: Science-Fiction


Inhalt

Joe Chip, der Haupt-Protagonist des Romans, arbeitet als Talentsucher für die „Runciter Associates“, deren Aufgabe, unter Führung von Glen Runciter, es ist, sogenannte ‚Psi-Talente‘, Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, wie z.B. jene der Telepathie, aufzuspüren und zu neutralisieren. Hierzu bedient sich die „Runciter Associates“ sogenannter ‚Anti-Talente‘, die dazu in der Lage sind, die Fähigkeiten der Psis, welche hauptsächlich zur Industriespionage eingesetzt werden, aufzuheben. Schärfster Konkurrent der „Runciter Associates“ ist die Agentur von Ray Hollis, bei der sich Psi-Talente anwerben lassen, um deren Dienste in Anspruch nehmen zu können.

Doch derzeit klafft im Überwachungsapparat der „Runciter Associates“ ein großes Loch. Etliche von Hollis‘ Psis scheinen verschwunden, was bei Glen Runciter die Alarmglocken klingen lässt. Ungefähr zur selben Zeit stößt Joe Chip auf Pat Conley, eine Frau mit dem außergewöhnlichen Talent, die Vergangenheit nach ihren Wünschen zu verändern und somit natürlich auch die Beschaffenheit der Gegenwart zu beeinflussen. Da Joe Chip sie für sehr gefährlich hält, nimmt er sie zum Firmensitz der „Runciter Associates“ mit, um sie seinem Chef vorzustellen und anzuwerben. Dieser hat derweil einen neuen Auftrag erhalten: Ein Industrieprojekt auf dem Mond soll vor den übernatürlichen Fähigkeiten der Psis geschützt werden. Um diese Aufgabe zu bewerkstelligen, versammelt Runciter seine besten Leute, inklusive Joe Chip und der neu angeworbenen Pat Conley, um sich und fliegt gemeinsam mit ihnen zum Mond. Doch der Auftrag entpuppt sich als Falle. Holli hat Runciter und seine Anti-Talente zum Mond gelockt, um sie dort niederzustrecken. Bei der Explosion einer Bombe wird Runciter tödlich verletzt, doch Joe Chip und den anderen gelingt die Flucht zurück zur Erde.

Zurück auf der Erde, wird Runciters Körper einem Moratorium übergeben, einer Einrichtung, in der die Toten in einem sogenannten ‚Halbleben‘ für eine gewisse Zeit weiterhin existieren können, so dass sich mit dem Geist des Verstorbenen Kontakt aufnehmen lässt. Doch mit Runciters Tod beginnen die Probleme erst. Irgendetwas scheint mit der Welt zu geschehen, denn plötzlich fängt alles um die Überlebenden herum an, sich zurück zu entwickeln und auch sie selbst sind gegen den allgegenwärtigen Verfall nicht immun, so dass nach und nach immer mehr von ihnen zu Staub zerfallen. Hinzu kommt, dass Joe und die anderen immer mehr Hinweise dafür erhalten, dass Runciter noch lebt: mysteriöse Nachrichten treten in Erscheinung, begegnen ihnen als verschlüsselte Botschaften an Toilettenwänden und als Werbespots im Fernsehen. Zuerst ist sich Joe sicher, dass Pat Conleys Fähigkeit, die Vergangenheit zu manipulieren, all dies bewirkt, doch langsam aber sicher wird den Überlebenden der „Runciter Associates“ bewusst, dass die ganze Sache weit tiefergreifende Ursachen hat.

Kann UBIK, ein seltsames Wundermittel, auf das Joe und seine Kollegen bei ihrer Suche nach der Wahrheit stoßen, den Zerfall aufhalten? Ist es tatsächlich das All-Heilmittel, als das es immer wieder angekündigt wird? Letztendlich bleibt jedoch immer noch die eine entscheide Frage: Ist UBIK tatsächlich die letzte Instanz, oder auch wieder nur ein Abbild der Wahrheit?


Rezension

Wie weit lässt sich die Wirklichkeit hinterfragen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu erteilen, denn um sie zu beantworten, müsste man freilich auch wieder die Frage selbst, also die ‚Frage, die Wirklichkeit zu hinterfragen‘ hinterfragen, und so weiter und so fort, ad infinitum. Klar ist jedoch, dass Philip K. Dick, der Autor des Romans „Ubik“, diese Frage im vorgestellten Werk dermaßen konsequent verfolgt hat, wie es mit literarischen Mitteln möglich scheint. Hierbei kann nun eingeräumt werden, dass die Frage nach der Beschaffenheit und Überprüfbarkeit der Wirklichkeit wahrlich eine sehr alte ist, mit der sich große Philosophen seit Jahrhunderten auf mannigfaltige Art und Weise beschäftigt haben, „Ubik“ also nicht wirklich etwas Neues bietet, keine Innovation aufweist . Dieser Einwand erscheint im Fall von „Ubik“ jedoch fehl am Platz.

Denn zu allererst ist zu sagen, dass es sich bei „Ubik“ um einen Science-Fiction-Roman handelt, das Werk also innerhalb seines literarischen Genres beurteilt werden sollte. Von diesem Standpunkt aus ist es Dick tatsächlich gelungen, ein äußerst unterhaltsames Buch zu schreiben, dessen Inhalt gerade zu von interessanten Ideen beflügelt wird, und dessen Charaktere, allen voran der chronische Habenichts Joe Chip, mit einer solchen Hartnäckigkeit versuchen, zu des Rätsels Lösung zu gelangen, dass der Leser sich sicherlich mehr als einmal fragen wird, wie er selbst wohl in einer solchen Situation handeln würde.

Es ist vor allem die Authentizität der Charaktere, die den „Ubik“-Stoff so fesselnd macht. Obwohl die Welt um sie herum, sich rapide verändert, glauben sie stets, wie auch der Mensch in der realen Welt, eine Erklärung für die Ereignisse um sie herum zu haben bzw., diese Ereignisse erklären zu müssen. Zudem tritt der bereits erwähnte Ideenreichtum, mit dem Dick in „Ubik“ aufwartet. So zum Beispiel, als Joe Chip versucht, seine Wohnung zu verlassen, ihm dies aber aufgrund eines unkooperativen Türschlosses, das sich nur gegen Münzeinwurf öffnen lässt (auch die übrigen Geräte funktionieren nur, wenn man dafür bezahlt), versagt bleibt. Oder bei den faszinierenden Möglichkeiten des Halblebens, das Dick im Verlaufe des Romans ausführlich zu schildern weiß und das vielleicht als Sinnbild für den Zustand gesehen werden kann, der Dick mitunter am meisten faszinierte: dieses der Welt Entrückte, nicht mehr ganz im Diesseits Seiende, aber auch noch nicht in der Welt des Traumes Befindliche.

 All diese Elemente machen „Ubik“ zu einem spannenden Leseerlebnis, das bis zur letzten Seite anhält. Und selbst dann, am scheinbaren Schluss, ist „Ubik“ noch lange nicht zu Ende. Denn, um den weiter oben angesprochenen philosophischen Gehalt des Romans wieder zum Gegenstand zu machen, ist in „Ubik“ Nichts wie es scheint, und alles sollte, und muss, hinterfragt werden. Nicht nur von Joe Chip und seinen Freunden, sondern ebenso vom Leser, dessen Urteilsvermögen bei der Lektüre genauso hart auf den Prüfstand gestellt wird, wie dasjenige der Protagonisten. In diesem Sinne ist es nicht verfehlt, zu behaupten, dass Philip K. Dicks „Ubik“ als weitaus ‚radikaler‘ zu bezeichnen ist, als viele andere Science-Fiction-Werke, seien es Romane oder Filme, die dasselbe Thema zum Inhalt haben.

Die hier besprochene Ausgabe ist Teil der großen Philip K. Dick-Edition des Wilhelm Heyne Verlags und wartet neben dem eigentlichen Roman „Ubik“ auch mit der von Dick selbst verfassten Drehbuch-Version des „Ubik“-Stoffes auf. Dieses verfasste Dick im Jahre 1974 (also 8 Jahre nachdem er den Roman geschrieben hatte) im Auftrag des französischen Regisseurs Jean-Pierre Gorin, der die Filmrechte an „Ubik“ erworben hatte. Verfilmt wurde „Ubik“ im Nachhinein allerdings nie, obwohl das Drehbuch durchaus große Anerkennung fand. Im Vorwort zur Ausgabe schreibt Sascha Mamczak über das Drehbuch in sehr treffender Weise: „Dicks >>Ubik<<-Drehbuch >>funktioniert<< eben nicht so, wie es ein Drehbuch gemeinhin tut – mit einer ordentlichen Struktur, den nötigen Motivationen und ja nicht zuviel Dialog –, sondern es ist eine Philip-K.-Dick-Adaption eines Philip-K.-Dick-Romans, und das heißt, dass der Autor zu einer Besichtigungstour durch sein Buch einlädt – oder, wenn man so will, durch seinen Kopf – und uns jene Szenen zeigt, auf die er besonders stolz ist.“ Lesenswert ist Dicks Drehbuchversion allemal.


Fazit

„Ubik“ ist ein Roman, den man verschlingt. Dick erzählt mit „Ubik“ nicht nur eine verdammt spannende Story, sondern würzt diese auch mit einer gehörigen Prise kreativer Einfälle, authentisch dargestellten Charakteren und liebevollen Details. Und wem das noch nicht genug ist, dem sei gesagt, dass die philosophische Rahmenhandlung des Romans genügend Tiefgang aufweist, um auch die Viel-Denker unter den Lesern eine ganze Weile zu beschäftigen.


Pro & Contra

+ spannende Handlung, die immer wieder zum Mitdenken und Hinterfragen anregt
+ authentische Charakterdarstellung
+ großer Ideenreichtum, der dennoch stringent bleibt und nicht aus dem Ruder läuft

Wertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Diese Rezension stammt von unserem Leser Jeremy Iskandar. Vielen Dank!

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Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 21. Januar 2010
 

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