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Dunkelziffer (Arne Dahl)
Geschrieben von Patricia
Montag, der 01. März 2010

Verlag Piper, Februar 2010
HC, 415 Seiten, € 19,95
ISBN 978- 3492053501

Genre: Krimi


Klappentext

In den Wäldern des nordschwedischen Angermanlands verschwindet die 14jährige Emily. Einzige Hinweise für Kerstin Holm vom Stockholmer A-Team sind Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen – und die Information, dass drei verurteilte Pädophile ganz in der Nähe des Tatorts wohnen. Der Fall gewinnt an Brisanz, als ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird. Das Mordinstrument, eine Klaviersaite. Bald gibt es in Stockholm eine zweite Leiche mit ähnlichen Schnittwunden. Die Spuren dieser Verbrechen führen ins Internet, mitten hinein in einen perfiden Kampf zwischen Gut und Böse, in dem die junge Emily ihre ganz eigene Rolle spielt.


Rezension

Dunkelziffer - ein häufig gebrauchter Begriff in der Polizeiarbeit. Wie viele Fälle gibt es, die nie entdeckt werden? Wie viele Täter können im Dunkeln operieren, ohne angezeigt zu werden? Der neue Krimi von Arne Dahl gibt es auf eindrucksvolle Weise wieder, einschließlich der gelungenen Covergestaltung. Man erkennt im ersten Moment, worüber das Buch handelt.

Eine 14jährige Schülerin ist verschwunden. Direkt am Anfang ist es eindrucksvoll, wie Dahl alleine durch die unterschiedlichen Zeugenaussagen die Menschen sich selber charakterisieren lässt. Man kann die Erwachsenen sehr gut von den Kindern unterscheiden, wer sich gewählt ausdrückt und wer von den Kids Null Bock hat. Versteckte kleine Hinweise in den Aussagen lassen den Leser aufhorchen, aus verschiedenen Eindrücken kann er sich ein Bild von den Geschehnissen machen. Leider behält das Buch diese Spannung nicht bei, es driftet schnell in die Langatmigkeit ab. Nicht nur Emily ist verschwunden, sondern auch ein Elektriker, den seine Frau als vermisst meldet und zu einer ungewöhnlichen Massnahme greift, um den Fall voran zu treiben. Hängen die beiden Vermisstenfälle vielleicht irgendwie zusammen? Bei Emilys Verschwinden wird sofort an Kinderschänder gedacht und was für ein Zufall, direkt drei verurteilte wohnen in unmittelbarer Nähe. Haben sie etwas damit zu tun? Als dann noch eine weitere Leiche gefunden wird, dem die Halsschlagader mit einer Klavierseite durchtrennt wurde, ermittelt das A-Team auf Hochtouren.

Leider kann sich die anfängliche Spannung nicht halten, denn Arne Dahl driftet zu oft ins philosophische ab. Gedanken und Ausführungen über die Lebenskraft, die Umkehr ins Bejahende, positive oder negative Sexualität machen es schwer, sich zu konzentrieren und man fragt sich immer wieder, was das mit dem Fall zu haben soll. Er beginnt abzuschweifen, kippt ein bisschen ins Abstruse und baut deshalb nur mäßig Spannung auf. Wer sich dafür jedoch Gedanken über seine Sexualität machen möchte, der ist hier richtig aufgehoben.

Wenn dann mal etwas passiert, ist es fesselnd geschrieben, aber leider kommt die Geschichte dennoch nicht so recht vom Fleck. Die Auflösung ist chaotisch, unglaubwürdig und überstürzt. - Wild um sich schießende Menschen passen besser in einen Actionthriller. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf dem Pädophilenring, dabei sind nicht mal die Opfer im Fokus sondern die Täter. Wie lebt es sich wohl mit dem Bewusstsein, anders zu sein und Kinder bewusst zu verletzen? Man merkt, dass sich Arne Dahl viele Gedanken darüber gemacht hat.

Auch das Privatleben seiner Ermittler steht oft im Focus, da gibt es die jungen Eltern, die beide versuchen Arbeit, Kind und Job unter einen Hut zu bringen. Dabei bleibt die zwischenmenschliche Beziehung auf der Strecke, aber es ist interessant, wie sie wiedergefunden wird. Dann gibt es die Ermittler, die selber psychisch einiges durchgemacht haben, was sich oft nicht positiv auf ihre Arbeit auswirkt. Dahl versteht es gut, nur in Andeutungen zu agieren, aber seine Personen lange über ihre Schwierigkeiten reflektieren zu lassen. Die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz, manch einer muss sich klar werden, was er eigentlich wirklich möchte und sein Leben vielleicht endlich mal geradeliniger gestalten sollte. Menschen sind eben facettenreich und keine Maschinen, sie schaffen es nicht, ihre eigenen Sorgen völlig auszublenden - und das ist auch gut so, das macht den Reiz des Buches in einem hohen Maße mit aus.

Dunkelziffer ist nicht einfach zu lesen - es ist kein Pageturner. Aber dafür gut recherchiert und Gedanken anregend. Wer auch noch philosophischen Ansätze mag sollte es unbedingt lesen, sich dabei jedoch keinen atemberaubenden Thriller erwarten. Dafür sind brandaktuelle Themen verpackt, vor denen wir unsere Augen nicht verschließen können. Auch wenn das Ende ein wahres Shootdown ist - es lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Wird das A-Team weiter existieren? Als Helden oder als Wahnsinnige?


Fazit

Pädophile, das Internet und seine Möglichkeiten, die versteckten Fallen für junge Mädchen und ein Geheimbund, der Selbstjustiz übt und einen verlorenen Knochen wieder nach Hause bringt, sind die Hauptthemen dieses neuesten Werkes von Arne Dahl. Eine gelungene Symbiose zwischen Thriller und Privatleben der Ermittler. Man kann diesen Fall auch ohne Kenntnis der vorherigen Bücher lesen, das meiste wird ausreichend erklärt.


Pro und Contra

+ brisante Themen
+ neue Ermittlungsansätze
+ interessante Charaktere
+ gut recherchiert

- einige Längen
- zuviel Philosophie

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5
Zuletzt aktualisiert: Montag, der 01. März 2010
 

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