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Marina Heib - intelligente Krimis mit hohem Unterhaltungswert
Geschrieben von Alisha
Samstag, der 05. Juni 2010

"Alishas Lit-Talk"

Marina Heib - intelligente Krimis mit hohem Unterhaltungswert
Viele, die mich kennen, denken ich läse nur düstere Phantastik – weitgefehlt, denn bis auf reine Liebesschmöker, lese ich so gut wie alle Genres. So erfreue ich mich jedes Jahr an etlichen Krimis aus meiner Rezibuchhalde. Dadurch wurde ich auf Marina Heib und ihre drei Krimis, die bei PIPER erschienen sind, aufmerksam und befand mich sofort auf der „Heib-Nadel“, denn die Autorin versteht es, spannend und intelligent zu unterhalten, weil sie psychologische Aspekte geschickt mit starken Charakteren und einem spannenden Fall verquickt.

So wundert es nicht, dass mich schon der erste Band fesselte:
WEISSES LICHT
Taschenbuch - 288 Seiten - 7.95 EUR - ISBN: 9783492252133
August 2008

Sie nennen ihn nur den »Bestatter«, weil er bei jeder Leiche einen Bibelvers hinterlässt. Der tote Junge auf der Waldlichtung ist sein viertes Opfer – und Kommissar Christian Beyer und seine Sonderermittler müssen den Täter finden, bevor er noch einmal zuschlagen kann …

Christian Beyer und sein Sonderermittler-Team „SOKO Bund“ (erste länderübergreifende SOKO Deutschlands) haben in „Weißes Licht“ ihren ersten Auftritt – und es sofort mit einem besonders abscheulichen und mysteriösen Fall zu tun. Es handelt sich um eine Mordserie, deren Opfer Kinder sind, die regelrecht „aufgebahrt“ werden – mit biblischen Rache-Psalmen versehen. Daher wird der Mörder der „Bestatter“ genannt.
Bei dem 4. Opfer, einem Jungen von 9 Jahren, findet die Rechtsmedizinerin Karen Kretschmer Sperma im Darm, was ein Sexualdelikt bestätigt.
Erster Verdächtiger ist Herbert Perlmann (46), ein aktenkundiger Pädophiler, der jedoch ermordet aufgefunden wird.

Eine weitere interessante Person belebt die Handlung: Anna Maybach, Psychologin und Gastdozentin an der Uni Hamburg.
Als Neuling im SOKO-Team taucht Pete Altmann auf: gut aussehend, Profiler, der auf Anna trifft, die sich sofort auf ihn einlässt. – da sie aber Angst vor Nähe hat, ist das nicht von langer Dauer.

Die SOKO bildet ein immer deutlicheres Profil des Täters: kontrolliert, perfektionistisch, aufgrund der rasch aufeinander folgenden Morde, muss der Täter unter ungeheurem Druck stehen. Darüber hinaus liegt die Vermutung nahe, dass er beruflich reist und seine Morde dem Dienstplam anpasst – da die Verbrechen in verschiedenen Städten verübt wurden.
Pete befindet als Profiler, dass die inszenierten „Bestattungen“ der Opfer darauf schließen lassen, dass es dem Täter hinterher leid tut. Die Psalme, die er hinterlässt, deuten darauf hin, dass die einzige Strafinstanz, die der Mörder anerkennt, Gott ist.

Dann hat die SOKO die erste heiße Spur: Ein Passagier, der an allen Flughäfen der Städte, in denen die Morde stattfanden, zum passenden Zeitpunkt war. Ein Verdächtiger, der in Hamburg lebt – und nun beginnt die SOKO tief im (menschlichen) Dreck zu wühlen.
Bei Anna taucht derweil ein neuer Patient auf; Carlos Dante, der durch sein Verhalten ihr besonderes Interesse weckt. Vor allem, als sie von ihm sonderbare E-Mails erhält, die eine Verbindung zu dem „Bestatter-Fall“ erkennen lassen.
Aber der Leser erfährt auch einiges über sie und ihre problematische Beziehung zu ihrem Vater – und ihr erste Begegnung mit Christian Beyer.

Alle Charaktere des Romans sind sympathisch (mit allen Ecken und Kanten) dargestellt und unterhalten den Leser auf spannende und menschliche Weise.
Besonders eindringlich schildert die Autorin die Rückblicke aus der Sicht der Missbrauchten, in Fragmenten ihrer gequälten Kindheit und beweist, dass dazu wenig Worte notwendig sind. Dennoch oder gerade wegen ihrer minimalistischen Schilderungen der Missbrauchshandlungen und Empfindungen der Jungen rütteln gerade die kurzen Passagen aus Sicht der Opfer auf. Sie bringen die Pein gequälter Kinderseelen unter die Haut gehend rüber, weiß man doch – das ist leider keine Fiktion.
Die „seltsamen“ Geschehnisse in einem „Musterhaus“, zeigen deutlich, „wie“ bröckelig die Fundamente der sozialen Ordnung sind – und die gesellschaftliche Bigotterie. „Gewürzt“ mit der zynischen Feststellung: Das Geschäft mit Kindern läuft besser als das mit Häusern.

Somit handelt es sich hier nicht um einen der üblichen Krimis, sondern um ein Thema, das verfolgt man die Medien, leider brisanter denn je ist und das noch schonungslosere Maßnahmen – besonders in der Rechtsprechung – erfordert.
Marina Heib verquickt geschickt und intelligent eine flotte Krimihandlung, führt ein munteres SOKO-Team ein und eine nicht interessante Psychologin – und handelt die Themen Kindesmissbrauch, Kinderhändlerring, Kindersex-Mafia angenehm sachlich und wenig reißerisch ab.

Das „weiße Licht“ ist in seiner titelgebenden Bedeutung Sinnbild der Unschuld, der Unschuld der Seele, aber auch das Ventil des Opfers, das durch den Blick in das weiße Licht der Kamera, die fremden Männer und das was sie mit ihm tun, auszublenden vermag.

Der Kreis um den Verdächtigen wird schließlich immer enger. Doch ist er wirklich der Bestatter? Ist auch Anna in Gefahr?
Fragen über Fragen – und natürlich ist in diesem Krimi von Marina Heib zum Schluss alles „ein wenig anders“ ...

Dieser Roman erschien bereits 2006 im PIPER Verlag und wurde wieder neu aufgelegt und optisch auf die beiden Folgebände abgestimmt. In Anbetracht dessen, dass erfreulicherweise weitere Titel rund um Christian Beyer und sein Team herauskamen (und hoffentlich noch weitere folgen), ist es allerdings sehr bedauerlich, dass bei der Neuauflage von „Weißes Licht“ der Text nicht einheitlich zu den anderen Titeln ebenfalls zeitgemäß in die neue Rechtschreibung umgewandelt wurde. Auch bedauerlich, dass die Buchrücken der drei Titel nicht einheitlich sind. Hat man auf den ersten beiden Bänden unten noch kleine Motive (was sehr ansprechend aussieht), wurde darauf beim dritten Band (Tödliches Ritual) verzichtet.
Das ist aber auch der einzige kleine Minuspunkt, der diesen thematisch wertvollen Krimi nicht schmälert, denn ansonsten ist die Aufmachung stimmig: Format, Papier, Satz, Covermotiv, Preis-Leistungsverhältnis.

Was der Leser erhält ist das eindringliche Portrait eines aufgrund seines Missbrauchs in der Kindheit zum seelisch entgleisten herangewachsenen Mannes/Täters – ohne reißerisch daherzukommen. Absolut empfehlenswert!



In
TÖDLICHES RITUAL
Klappenbroschur - 304 Seiten - 10.00 EUR - ISBN: 9783492271608 - Mai. 2009

geht es ebenso spannend und auf einem hohen Level weiter.

Die erste Frauenleiche liegt in den Anlagen des Botanischen Gartens, hingerichtet mit dreißig Messerstichen. Die Tochter der Bürgermeisterin ist ein weiteres Opfer, erdrosselt und mit einem ausgelöffelten Auge. Der Göttinger Polizeichef Markus Lorenz ist der Grausamkeit dieses Falls nicht gewachsen. Und selbst der hinzugezogene Sonderermittler Christian Beyer tappt im Dunkeln. Erst die Intuition der Psychologin Anna Maybach führt zu einer Spur. Denn Anna erkennt ein System hinter den einzelnen Morden: Der Täter schlägt nur an keltischen Festtagen zu. Und der Höhepunkt steht noch aus: die Walpurgisnacht …

Zuerst besticht erneut der Erzählstil der Autorin, die eine lebendige, unterhaltende und dennoch tiefgründige Art hat, den Leser zu fesseln.
Es gehört zu eine ihrer Stärken wirkliche Charaktere zu schaffen, die nicht blutleer und konstruiert agieren, sondern menschliche Stärken und Schwächen erkennen und oftmals vergessen lassen, dass man sich nicht real mit ihnen in Göttingen befindet. Genau dort spielt das Gros der Handlung, denn Markus Lorenz, Erster Hauptkommissar bei der Göttinger Kripo, bekommt es mit einem Fall von Ritualmorden zu tun, in denen junge Frau bestialisch zu Tode kommen.
Doch Markus Lorenz hat auch mit persönlichen Abgründen zu kämpfen. Seit dem Freitod seiner Frau Ellie rutscht er immer mehr ab und wird zum Alkoholiker. So bittet er seinen Freund Christian Beyer aus Hamburg um Hilfe.
Dieser reist mit seiner Freundin Anna Maybach von Hamburg nach Göttingen und findet seinen Freund, der mittlerweile fristlos gekündigt hat, völlig verändert und haltlos vor.
Somit wird der erste Handlungsstrang rund um das Ermittlerteam – flott erzählt – eingeführt und aufgebaut. .

Der zweite Strang bietet den Blickwinkel des Täters.
Interessant sind hier die kurzen Sukkubus-Tendenzen, die die Beweggründe des Mörders untermauern, aber auch, dass die Autorin ebenfalls dem Leser die Möglichkeit einräumt aus seiner Sicht die Taten zu sehen und zu empfinden. Man spürt, wie sehr der Täter gegen die „fleischlichen Versuchungen“, die ihn im Schlaf heimsuchen ankämpft, ihnen erliegt und sich am folgenden Morgen dafür verdammt – und seinen Hass auf Frauen schürt. „Gering ist alle Bosheit gegen die Bosheit der Frau“, so befindet der Täter und nährt jenen Hass, der ihn in den Wahn treibt, die Welt vor dieser Versuchung befreien zu müssen. Somit ein „gutes Werk“ an der Gesellschaft zu leisten, für die er jedoch im Grunde nur Verachtung verspürt.

„Der Mörder war sicher, dass einige Menschen da draußen auch etwas in sich spürten. Eine Sehnsucht nach mehr, ein Verlangen nach Höherem. Aber sie folgten dem Ruf nicht. Sie hatten Angst. Polsterten ihre Zweifel ab mit Bausparverträgen und Jahresurlauben in der Türkei. Gingen weiter jeden Morgen zum Busbahnhof oder in die Garage, fuhren zur Arbeit, verdienten ihre Brötchen, fuhren nach Hause und aßen ihr Abendbrot vor dem Fernseher. Ob die Männer, das alles nur taten, damit sie des Nachts in den Schoß ihrer Frauen schlüpfen durften?“

Zumindest bei solchen Gedankengängen des Täters, ist er dem Leser erschreckenderweise nicht fremd, weil er ihm einen Spiegel vorhält. Doch spätestens bei seinen Taten, trennen sich die Wege wieder, denn er empfindet emotionale und sexuelle Befriedigung wenn er die Frauen brutalst meuchelt und sich vom Beherrschten zum Herrscher wandelt.
Und somit beginnt er an Halloween mit seiner Mordserie und folgt seiner „Berufung“ in der Nacht, in der sich die Grenze zwischen den Welten (Diesseits und Jensseits) öffnet.

Die Tote, die im Alten Botanischen Garten gefunden wird, hatte zuvor ausgelassen auf einer Kostümfeier der Göttinger Uni Georgia August gefeiert.
Irgendwie scheinen sehr schnell die Fäden bei eben jener Uni zusammenzulaufen.
Auffällig ist dort die Burschenschaft „Herculania“, in der Alexander Demant das Sagen hat, der sich wie etwas Besseres aufführt. Ein Abzeichen der Vereinigung, wird bei einem der Opfer gefunden und so steht die Burschenschaft schon bald im Fokus des Ermittlerteams.
Anna Maybach fällt auf, dass die Tatzeitpunkte der Morde keltischen Feiertagen zugeordnet werden können. Das Finale gipfelt darin, dass der Täter beim letzten Ritualmord gleich drei Frauen töten will – können Markus Lorenz und sein Team das verhindern?

Prägnante Charaktere beleben den Roman.
Allen voran Markus Lorenz, der nicht nur mit dem Fall, sondern auch mit seiner Alkoholsucht kämpft.
Aber auch die Oberbürgermeisterin Marlene Falck, deren Tochter eines der Opfer wird, wodurch ihre Mutter den Boden unter den Füßen verliert.
Ebenso Christian Beyer und seine Freundin Anna – nein, im Grunde jeder Charakter dieses temporeichen Krimis, seien es die Kollegen von Markus Lorenz, Freunde, Christian Beyers berufliches Umfeld, aber auch der Lokalkolorit, der spielerisch einfließt – alles ist facettenreich erzählt und die Handlung hat weder Längen, noch verliert sie an Fahrt.
Bis zum Schluss öffnen sich immer wieder neue Aspekte, denn der Leser fühlt sich zwar sehr schnell dem Mörder auf der Spur, wird aber doch zum Schluss noch eines Besseren belehrt.

Auch die Aufmachung dieses Titels ist ohne Fehl und Tadel und sehr ansprechend. Handlich, mit einer schönen Klappenbroschur (mit schwarzen Innenseiten), erstklassigem Papier und einem stimmigen Covermotiv.
Einziges kleines Manko: Bei den „Aufzeichnungen des Täters“ hat sich der Blocksatz verabschiedet, was sehr unschön aussieht.
Doch das mindert den Lesegenuss und auch die Freude an dem Buch nicht. Auch dieser lebendig erzählte intelligente Krimi, der wundervoll unterhält, macht Lust auf mehr Romane von Marina Heib!



Dritter und leider bisher letzter Krimi der Autorin ist
EISBLUT
Taschenbuch - 304 Seiten - 7.95 EUR - ISBN: 9783492254038
Jul. 2009

Schnittverletzungen am ganzen Körper und Salz in den Wunden: Uta Berger ist das erste von drei Opfern, die vor ihrem Tod offensichtlich grausam gefoltert wurden. Die Zeit drängt, denn der Täter geht mit größter Akribie und Intelligenz vor. Und seine Motive zu verstehen, scheint der einzige Schlüssel zur Lösung des Falls. Daher ziehen die Hamburger Sonderermittler um Christian Beyer auch in diesem Fall die Psychologin Anna Maybach hinzu.

Müllbeseitiger finden eine übel zugerichtete Frauenleiche.
Der Fall wird der SOKO (Pete Altmann – Profiler –, Eberhard Koch, Volker Jung, Yvonne – Assistentin – ) übertragen, der früher Christian Beyer vorgestanden hat. Mittlerweile ist er vom Dienst suspendiert.
Pete, immer elegant im Designer-Anzug, hatte früher eine Affäre mit Anna Maybach, Psychologin und Ex-Geliebte von Christian und ist bei der SOKO nun Christians Nachfolger.
Anna kehrt aus Kanada zurück nach Hamburg (besitzt eine kleine Stadtvilla im Generalsviertel) und wird von Pete am Flughafen abgeholt. Er bittet sie in dem neuen Fall um Hilfe, doch sie lehnt ab.
Christian hat nach der Suspensierung den Kontakt zur Soko abgebrochen, außer zu Volker, mit dem er sonntags Schach spielt. Von ihm hört er auch von dem neuen Fall und dem Opfer: Uta Berger, einer 20jährigen Studentin, die grauenvoll verstümmelt wurde.

Anna hat eine Dozentenstelle an der Uni angenommen und erfährt, dass der Toten Salz in die Wunden gerieben wurde und sie mittels Elektroschocks – auch an den Genitalien – gefoltert, sie vergewaltigt und ihr die Brustwarzen mit einer Schere abgeschnitten wurden.
Unter ihren Studenten fällt ihr Martin Abendroth auf, der ihr gegenüber ein provokantes Auftreten an den Tag legt. Der attraktive junge Mann (Typ Jude Law) hat augenscheinliches Interesse an Anna, doch die behandelt ihn distanziert und verweist ihn in seine Schranken.

Christian besucht seine ehemaligen Kollegen der SOKO, weil ihm diese Unterlagen des Falls geschickt haben, in der Hoffnung, dass ihn diese veranlassen würden, zur SOKO zurückzukommen.
Da Christian die Tote, durch seine Affäre mit deren Mutter, kannte, brennt er tatsächlich darauf, den Mörder zu fassen.
Er wird offiziell wieder eingestellt.
Durch den Fall begegnen sich Anna und Christian wieder.
Christian liebt Anna immer noch und auch sie vermisst ihn und wäre gerne wieder mit ihm zusammen.

Uta Berger, das erste Opfer, hat im Nebenfach Orientalistik studiert und ist kurz vor ihrem Tod in eine WG mit einem Paar gezogen. Dort findet die SOKO ein Tagebuch der Ermordeten, das offenbart, dass die ermordete Studentin ein Doppelleben und eine SM-lastige Beziehung geführt hat.
Ihre Mutter Manuela Berger, sucht nach dem Mord an ihrer Tochter Christian auf, mit dem sie vor Jahren eine Affäre hatte und für den sie ihre Familie aufs Spiel setzte, und der sie schnöde abservierte.
Auch sie fordert Christian auf den Mörder ihrer Tochter zu suchen.

Dann findet man die Leiche eines gewissen Georg Dassau, der sich als ehemaliger Arzt entpuppt, der dank Approbationsentzug einen sozialen Abstieg durchlebt hat und nun als Obdachloser in Hamburg sein Dasein fristete. Auch er wurde vor seinem Tod u.a. mit Elektroschocks gefoltert.
Volker geht einer der weiteren Spuren nach: der Theatergruppe, in der Uta mitgewirkt hat und trifft dort auf die lesbische Regisseurin Kiki, die in Uta verliebt war und nicht nur Männer, sondern auch „Bullen“ verachtet. Auch sie hätte ein Motiv – Eifersucht.
Christian spricht mit Anna über seine Affäre mit Manuela Berger und wie abrupt er sie beendete. Er liest ihr Auszüge aus Utas Tagebuch vor, aus der das problematische Mutter-Tochter-Verhältnis der Toten hervorgeht.

Auch Yvonne, quirlig und mit großer Klappe, taucht an der Uni auf, und nimmt an Annas Seminar teil, da sie Profilerin werden will. Sie hat eigentlich ein Auge auf ihren SOKO-Kollegen Daniel geworfen, doch der hat eine Freundin und so bändelt Yvonne aus Frust mit Martina Abendroth an – mit fatalen Folgen.
Aber Anna trifft an der Uni auf noch eine weitere Person: Professor Gellert und sie stößt wieder an ihre psychischen Grenzen, die Vergangenheit holt sie mehr ein, als ihr lieb ist.
Alles spitzt sich immer mehr zu, alles scheint miteinander verwoben – und doch wartet die Autorin zum Schluss mit der ein oder anderen Überraschung auf.
Das alles so dicht, mit so vielen Einzelplots, die die Handlung dennoch nicht zerfasern, sondern rasant immer mehr zusammenfinden, dass es eine reine Freude ist, diesen Roman zu lesen.
Die Fragmente aus der Sicht des Täters sind die einzigen, die im Handlungsverlauf ein wenig zu kurz kommen, denn die wenigen eingestreuten Stellen lesen sich äußerst spannend und unterstützen die Mehrdimensionalität des Romans. Davon hätte er durchaus mehr geben können.

Der Stil der Autorin ist nach wie vor erfrischend – da ist nichts schwafelig, nichts seitenschindend, nichts überflüssig.
Vor allem zeigt sich in diesem Roman wieder deutlich, wie intelligent und dennoch leichtfüssig Unterhaltung sein kann.
Marina Heib zieht nicht nur politische Info-Fäden, sondern vermittelt auch interessante Einblicke in den Zerfallprozess nach dem Tod – aber besonders in menschliche Abgründe. Auch die Charaktere um Christian Beyer und sein Team, aber auch deren Umfeld (z.B. Annas Eltern und Annas Vergangenheit) erhalten immer mehr Potential, immer mehr Mosaiksteine dazu – das Bildet rundet sich immer mehr.

Die Aufmachung des Titels ist erneut ohne Fehl und Tadel, das Lektorat weist zwar kleine Mängel auf (da werden Dialoge „gelächelt“/ heißt es am „gleichen“ Abend, gibt es eine Vielzahl von unschönen „ganz-Kombinationen – z.B. ganz offensichtlich...) und bei den kursiven Tagebuchpassagen ist der Blocksatz verlustig gegangen – aber das stört den Lesegenuss in keiner Weise!

Auf jeden Fall bleibt dem Leser zu wünschen, dass die Autorin und PIPER noch so manchen Krimi mit diesem Team anbieten – es wäre eine Schande wenn nicht. Denn EISBLUT ist ein großartiger, spannender und intelligent erzählter Krimi mit einem fulminanten Finale.

MARINA HEIB

ist in St. Ingbert (Saarland) geboren und lebt nach ihrem Philosophiestudium und journalistischer Arbeit als Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Hamburg.

Ich habe ein Interview mit der Autorin anlässlich ihrer Krimis bei PIPER geführt. Wen’s interessiert, der findet es HIER.

Und wer nun Lesehunger auf die Krimis bekommen hat, dem kann ich nur sagen: Gute Unterhaltung!

Alisha Bionda, Juni 2010

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 05. Juni 2010
 

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