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Aufzeichnungen eines Tagelöhners (Michael Schweßinger)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 01. September 2010

Edition PaperOne (2010)
Taschenbuch, 110 Seiten, 8,95 EUR
ISBN: 9783941134416

Genre: Kurzgeschichten / Gesellschaftskritik


Klappentext

„Ich kann über diese elf Stories nicht viel mehr berichten, als dass es eben elf Stories über einen mir bekannten Typen sind, der meistens irgendwelchen miesen Jobs nachgeht, sich dabei oft recht burschikose Gedanken zur Welt macht und manchmal meinen Namen als Pseudonym benutzt.“
Michael Schweßinger


Rezension

In elf recht kurz gehaltenen Geschichten lässt sich Michael Schweßinger sowohl über Künstler aus, als auch über die Politik und ihre Sklaven. Die modernen Menschen, die in einer Welt aus ständiger Panikmache und sinkenden Löhnen leben und froh sind, dass sie sich einen neuen HD-Fernseher leisten können. Was nun wirklich Panikmache ist, ob Terrorismus oder Wirtschaftskrise, liegt im Auge des Betrachters, doch der kritische Unterton in Schweßingers Werk regt zum Nachdenken an. Dass der Protagonist dabei selbst kein sesselfurzender Besserwisser ist, sondern sich auf dem Bau den Buckel krumm schuftet oder auch im Kernkraftwerk seine Arbeit tut, macht das Ganze umso authentischer. Dem Tagelöhner mag man doch das Recht, seine Arbeit kritisch zu hinterfragen, gerne einräumen:

Mit „Architekturen der Leere“ steigt man in das Werk ein und hofft sehr darauf, dass der Inhalt dem originellen Titel gerecht wird. Zunächst mag sich jedoch der künstlerisch interessierte Mensch etwas ärgern, schließlich wird über das Künstlervolk viel Negatives gesagt. Und doch steckt auch etwas Wahrheit in den Worten, gibt man dem Protagonisten doch Recht, wenn er meint, Kunst sei eine Modeerscheinung geworden und jeder, der zu viel Freizeit hat, nenne sich eben Künstler. Der einzige Künstler, von dem der Protagonist etwas hält, bezeichnet sein Werk als eine Kunst der Leere – was nun folgt sind etwas verworrene Gedankengänge, die aber interessant zu lesen sind und zeigen, dass Schweßingers Worte durchaus Klasse haben.

In „Eine etwas moralinsaure Eselsgeschichte“ packt Michael Schweßinger nach dem philosophischen Einstieg die Gesellschaftskritik aus. Die Erzählung ähnelt einer Fabel, die sehr deutlich macht, wo der Autor die Probleme in unserer Gesellschaft sieht. Man hat das Gefühl, der aktuellen Arbeitsmarktentwicklung beizuwohnen und was man hier sieht, schmeckt ziemlich bitter. Vielleicht wird man sich einmal mehr vom Staat und der Gesellschaft verarscht fühlen, aber auch die Esel bekommen ihr Fett weg. Schließlich schlucken sie immer nur, anstatt sich gegen die Ungerechtigkeit aufzulehnen.

Die eiserne Schlange oder Wie man zu seinem Geld kommt“ dreht sich ebenfalls um Arbeiter, die ausgebeutet werden. Doch zwei der Männer, die für nichts und wieder nichts schuften, lassen sich von ihrem Chef nicht länger ausnutzen. Zu lange arbeiten sie schon ohne Bezahlung. Was den beiden einfällt, unterhält den Leser bestens. Auch wenn diese Art der Problemlösung wohl in der Realität nicht funktionieren würde, so kommt doch die Message an, dass man sich nicht alles bieten lassen sollte.

Auch in „Ephemere Lebensziele“ geht es wieder um die Arbeiterklasse. Der Protagonist verdient sich seinen Lohn in einem Atomkraftwerk. Sein Alltag ist routiniert, zur Kontrolle der Strahlenbelastung trägt er Dosimeter, das allerdings nur dem Schein dient. So wirklich scheint sich keiner der Arbeiter den möglichen Folgen einer Verstrahlung bewusst zu sein. So kommen sie auch auf die glorreiche Idee, Lebensmittel an ihren Arbeitsplatz zu schmuggeln. Die Kritik in dieser Geschichte ist weniger offensichtlich – viel mehr werden hier die kleinen Freuden der tristen Schufterei veranschaulicht.

Die meisten anderen Geschichten drehen sich ebenfalls um das Thema Arbeit und soziale Ungerechtigkeit. Ab und an wird es auch etwas philosophisch, wobei auch hier kritische Worte mitschwingen. Die Geschichten sind größtenteils aus der Ich-Perspektive erzählt, was ein kleines Problem aufwirft: Der Tagelöhner wirkt unheimlich eloquent, gebildet und nachdenklich. Seine Sprache in den direkten Reden passt jedoch ganz und gar nicht dazu. Hier hätte man zu Gunsten der Authentizität eine etwas glattere Sprache wählen können, auch wenn der Tagelöhner so nicht ganz zu seinen Arbeitskollegen passt. Muss er aber nicht unbedingt, schließlich gibt es in der Arbeiterschicht sehr gebildete und eloquente Menschen. Da muss der Protagonist hier nicht unbedingt in eine schlechte Grammatik abrutschen. Dass er verschiedenen handwerklichen und körperlichen anstrengenden Berufen nachgeht, macht ihn, wie bereits erwähnt, dennoch glaubhaft in seinen Äußerungen.

Alles in allem gelingt es dem Autor, sowohl gut zu unterhalten, als auch den Leser zum Nachdenken zu bringen. Ob sich dieser den Gedanken Michael Schweßingers anschließt, sei dahingestellt. Mit allem wird man nicht einverstanden sein – man kann jedoch jeden Gedankengang gut nachvollziehen. Dazu macht es Freude, von jemandem zu lesen, der sich nicht resigniert unserer Gegenwart fügt, sondern es wagt, seine Kritik zu äußern.


Fazit

In „Aufzeichnungen eines Tageslöhners“ nimmt Michael Schweßinger kein Blatt vor den Mund. Offen und eloquent schildert er seine Kritik an der Gesellschaft, der Politik und jedem Einzelnen, der sich mit seinem Schicksal angefunden hat. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt und dabei bestens unterhält.


Pro & Contra

+ offenes, kritisches Werk
+ der Protagonist als Tagelöhner
+ nachdenklich und unterhaltsam
+ nahezu alle Geschichten auf gleichem Niveau

- direkte Rede passt oftmals nicht zum restlichen Text
- etwas kurz

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 01. September 2010
 

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