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Establishmensch (Andy Strauß)
Geschrieben von Jessica
Montag, der 25. Oktober 2010


UBooks, 1. Auflage August 2009
Taschenbuch, 160 Seiten
€ 9,95 (D) | € 10,30 (A)
ISBN: 978-3-86608-120-8

Genre: Anti-Pop




Klappentext:

In zahlreichen Geschichten und Texten taucht Andy Strauß in den nur vordergründig normalen, meist sehr skurrilen Alltag seiner Protagonisten ein, beobachtet und seziert sie, bis der Wahnsinn aus ihnen heraustropft.
Das sammelt er dann ein und zeigt es herum.

«Ich habe einmal beobachtet, wie der bärtige, Hut tragende Nachbar vom Hutmacher sein ganzes Zimmer in einen Koffer gepackt hat. Erst nur den ganzen Kleinkram, dann die Bilder, sein Bett, die Tapete, Badewanne, alles rein, ganz unnachgiebig. Als das Haus leer war, packte er es auch hinein, zuletzt noch den Gartenzaun und die Nachbarskinder, wahrscheinlich, weil er ohne deren Genöle morgens nicht wach wurde ...»

Andy Strauß, seines Zeichens erfolgreicher Poetry Slammer, Musiker, Künstler und charismatischer Gedankenverdreher. Mit seinen Texten, Lesungen und Aktionen würde er Kafka begeistern, begeistert stattdessen aber ein stetig wachsendes Publikum.



Rezension:

Das erste, was einem am Debüt von Andy Strauß auffällt, sind Titel und Coverbild des Buches. Man fragt sich, ob der Verlag sich vertan hat, ob es sich um einen schlichten Schreibfehler handelt und was dieses Bild eigentlich aussagen soll. Die zweite Auffälligkeit kommt beim Lesen selbst, denn die Art und Weise, wie der Autor sich ausdrückt, zeigt deutlich auf, wo er herkommt: nämlich aus dem Poetry Slam. Schon beim Einstieg in den ersten der drei Teile, in die das Buch gesplittet ist, bekommt man schnell einen Eindruck, wie Andy Strauß sich auf der Bühne gibt. Das schürt nicht nur Neugier auf die kommenden Seiten, sondern weckt auch das Interesse, an einer Slam-Veranstaltung des Autors teilzunehmen. Denn wer schon im schriftlichen Bereich so von sich und seiner Kunst zu überzeugen weiß, wie beeindruckend muss dann erst eine Lesung oder ein Poetry Slam sein?

Unterteilt in drei Überkapitel erzählt Establishmensch von ganz unterschiedlichen Menschen mit ganz unterschiedlichen Charakteren und Geschichten – eben genau das, was unsere Welt und unsere Gesellschaft darstellt. Wie auch im wahren Leben gleicht in Strauß’ Geschichten kein Protagonist dem anderen, und wie auch im wahren Leben findet der Leser zum einen Charakter mehr Zugang als zum anderen. Sehr vielseitig und mitunter auch vielschichtig werden menschliche Züge durchleuchtet, hierbei schafft das Buch es ganzzeitlich, den Leser zu amüsieren, zu beeindrucken und gleichzeitig zu schockieren – die Ideen, die der Autor einbringt, sind skurril, gegen die Norm und vor allem erstaunlich nah an der Wahrheit. Wer weiß schon, was in den Köpfen seiner engsten Freunde vorgeht? Man kann den Menschen immer nur vor den Kopf schauen, Strauß gibt dem Leser allerdings die Möglichkeit, eventuelle Szenarien hinter den Köpfen zu sehen.

Establishmensch ist ein Parade-Beispiel für das Genre des Anti-Pop: schnell, unterhaltsam, aufzeigend, lebensnah, entblößend, an- und (Ekel) erregend. Eben nicht für die Allgemeinheit, sondern für aufgeschlossene und nicht so leicht zu entsetzende Gemüter, die sich gerne an die Grenzen des guten Geschmacks und auch darüber hinaus wagen.



Fazit:

Andy Strauß ist mit seiner Schreibe bestens im Anti-Pop-Genre aufgehoben und versteht es, seine besondere Slam-Art geschickt aufs Papier zu bringen. Grinsend, kopfschüttelnd und mitunter sogar ein wenig angeekelt fühlt sich der Leser bestens, ja teilweise sogar herausfordernd unterhalten. Establishmensch lädt zur Sicht über den Tellerrand hinaus ein.



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5
Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 28. November 2010
 

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