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Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1 + 2 (Dirk Bernemann)
Geschrieben von Jessica
Dienstag, der 10. Februar 2009

Heyne Hardcore (Die Originalausgaben erschienen im UBooks Verlag.)
Taschenbuch, 256 Seiten
Preis: 8,95 € (D)
ISBN-10: 3453675606
ISBN-13: 978-3453675605 

Genre: Anti-Pop


Klappentext:

"Guten Tag, die Welt liegt in Trümmern."
So lautet die Begrüßung des Autors, bevor er einen hinabreißt in die Abgründe der Welt. Mit seinem literarischen Skalpell zelebriert er ein Massaker des Lebens, das fasziniert, um gleichzeitig abzustoßen. Wie in Tarantinos "Pulp Fiction" reihen sich scheinbar zufällige Ereignisse aneinander, um später wieder aufgenommen zu werden. So spinnt sich ein roter Faden - und bald ist klar, dass Blut den Faden so rot schimmern lässt.
Mit einer exklusiven Bonusstory und zusätzlichen Gedichten.

"Ein Sprachakrobat mit Hang zur Misantropie." Galore

"Lesenswert!" jetzt.de


Rezension:

Auf dem Cover ein blondes Püppchen mit großen Augen, das beim ersten Hinschauen an “Chucky” erinnert, neben einem relativ unschönen und irgendwie widersprüchlichen Buchtitel – schon allein durch die Aufmachung des Sammelbandes seiner ersten beiden Bücher erregt Dirk Bernemann Aufmerksamkeit.

Mit sehr viel Charme, trockenem Humor und einer gehörigen Portion bissigen Sarkasmus prügelt Bernemann geradezu auf die heutige Gesellschaft ein, die nach außen immer den schönen Schein bewahrt, innerlich jedoch bis zum Himmel stinkt und immer weiter ver- und zerfällt. Der Einleitungssatz seiner Begrüßung - „Guten Tag, die Welt liegt in Trümmern.“ – trifft es wie ein Hammer den Nagel auf den Kopf. Es passt wie die Faust aufs Auge, wie der Arsch auf den Eimer.

In diesem Buch vereinte „Einzelschicksale“, die doch alle irgendwie miteinander zusammenhängen, zeigen sehr deutlich, wie nah man jeder unbekannten Person eigentlich steht. „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ ist ein „Wer kennt wen?“ in einer unschönen Variante der Wahrheit. Bernemann lässt die Leser in seinen Büchern hinter die Fassaden der Menschheit blicken und zwingt sie so, ihre Umwelt zu hinterfragen. Die einzelnen Protagonisten Bernemanns sind allesamt arme, bemitleidenswerte Kreaturen - man bekommt einen Blick hinter die Kulissen und stellt fest, dass die Unterschiede zwischen den menschlichen Abgründen doch gar nicht so groß sind. Trotz der jämmerlichen Geschichten sind die einzelnen Charaktere sehr liebevoll gestaltet. Es macht Spaß, die „Gedanken“ zu verfolgen und ihnen entweder beizupflichten oder sich seinen ganz eigenen Teil dazu zu denken. Durch den roten Faden, der jede Geschichte auffädelt, miteinander verbunden entsteht ein Handlungsnetzwerk, wie es so viele unterschiedliche Personen selten ausgemacht haben.

Obwohl man das gar nicht möchte, glaubt man dem Autoren, der einem die wahre Hässlichkeit des Menschheits-Gesichts so deutlich nahebringt. Man betrachtet sich und sein Handeln kritischer; und genau das ist wohl auch das Ziel Bernemanns: bewussteres Wahrnehmen der eigenen Person und anderen; kritisches Auseinandersetzen mit der Welt, in der man „lebt“ und jeden Tag ein bisschen stirbt; Hinterfragen der Gesellschaft.
Es ist schwierig, dabei die Waage zu halten und nicht zu misstrauisch zu werden, doch Bernemann zeigt auf, mit welcher Blauäugigkeit die Menschheit heutzutage durchs Leben geht. Oder durch das, was wir Leben nennen.

Als besondere Gimmicks sind in dieser Ausgabe eine exklusive Verbindungsstory, die eine Brücke zwischen Band 1 und Band 2 (Und wir scheitern immer schöner) schlägt, sowie zahlreiche, ebenfalls sehr kritische, bisher unveröffentlichte Gedichte enthalten. Auch Personen, die normalerweise nichts mit Lyrik anfangen können, werden diese Art der Gesellschaftskritik lieben.


Fazit:

Dieses Buch wird nicht jedem gefallen und viele haben mit Garantie etwas an der Art, wie Bernemann sich äußert, auszusetzen. Bernemann schafft es, eine sarkastische, aber unaufdringliche Gesellschaftskritik unter die Leute zu bringen. Als Leser fühlt man sich nicht dazu genötigt, seine Ansichten zu teilen, man spürt jedoch die leichten Stöße in Richtung veränderter Denkansätze.


Bewertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis: 5/5
Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 12. Oktober 2010
 

Kommentare  

#2 "Neuigkeiten"AngelOfShadow 2009-02-11 10:53
Hallo Joko,

danke für deine Rückmeldung zur Rezension.
Du hast Recht, die Bücher sind Geschmackssache - das habe ich ja in der Rezension auch schon geschrieben. Und ebenfalls stimmt, dass der Leser nichts Neues erfährt. Doch das ist meiner Ansicht nach auch gar nicht der Zweck von Bernemanns Büchern. Es gibt vieles, was ich weiß, vor dem ich aber trotzdem die Augen verschließe, weil ich es nicht sehen will und/oder den Anblick nicht ertragen kann. Dein Nachsatz "so ist sie nunmal" ist eines der besten Beispiele für diese Einstellung - es ist halt so, warum sollte ich mir die Mühe machen und versuchen, etwas daran zu ändern?"

Ich denke, genau hier liegt das, was Bernemann bezwecken will, begraben. Dass man eben nicht nur denkt "was soll's", sondern darüber NACHdenkt, was in der heutigen Zeit und in der unmittelbaren Umgebung vor sich geht. Um vielleicht durch kleine Schritte, kleine Zeichen doch etwas Größeres in Schwung zu bringen - nämlich die Veränderung.
Bernemanns Bücher stellen für mich - ganz subjektiv - einen Stoß in Richtung Lethargie-Ausst ieg dar. Übertrieben finde ich seinen Schreibstil nicht, eher klar, direkt und schonungslos. Wie Kritik auch sein sollte.

Liebe Grüße,
Angel
#1 Alles GeschmackssacheJoko 2009-02-10 18:43
Diese Bücher sind reine Geschmackssache . Wer auf den guten alten verbale Drang zur Übertreibung steht, der wird mit beiden Büchern sehr viel Spass haben.
Ja, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten ist wohl das Kerngeschehen dieser Bücher. Doch als Leser erfährt man nichts, was man nicht bereits wüßte: Die Welt liegt in Trümmern und das auch noch schlecht, also die Welt, so ist sie nunmal.
Als leichte Kost zwischendurch amüsant, gibt aber durchaus besseres.

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