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Sterben kommt nicht in Frage, Mama! (Judith End)
Geschrieben von Jessica
Donnerstag, der 30. Dezember 2010


Droemer, 1. Auflage Oktober 2010
Klappenbroschur, 304 Seiten
EUR (D) 16,95 | EUR (A) 17,50
ISBN: 978-3-426-27539-9
Leseprobe

Genre: Erfahrungen




Klappentext:

Jung, glücklich, schön – und Krebs

»Als ich nach Hause komme, sehe ich als Erstes dich, kleine Paula. Du kommst an Doros Hand gerade aus dem Kindergarten. Stehst vor dem Haus und wartest auf mich. Du bist wie immer ein kleiner Fels in der Brandung, und es ist so seltsam, dich aus der Ferne zu sehen. Für dich geht alles weiter. Mit deiner gestreiften Mütze und deiner festen Stimme. Und du freust dich über mich. Für dich muss ich leben. Ich muss, ich muss, ich muss!«

Der Schicksalsbericht einer taffen jungen Frau und ihrer Tochter, die gemeinsam der Krankheit trotzen.

Innerer Klappentext:

Judith End ist 25 Jahre alt, alleinerziehende Mutter und mitten im Studium, als sie in ihrer Brust einen Knoten ertastet und ihre Welt aus den Fugen gerät. Eben noch war sie dabei, sich frisch zu verlieben, jetzt quält sie sich mit der Frage, bei wem ihre Tochter Paula aufwachsen wird, falls sie sterben sollte. Operation folgt auf Operation, Chemo- und Strahlentherapie schließen sich an. An guten Tagen vor dem nächsten Infusionstermin versucht Judith mit Paula in den alten, unbeschwerten Alltag zurückzukehren. Sie lernt trotzig auf ihr Examen und legt die Prüfungen ab. Am Schluss der Prozedur hat sie beides: Hoffnung, den Krebs überwunden zu haben, und ein Einserexamen.

Judith End ist eine Autorin, deren Erzähltalent, deren Sinn für Dramatik, deren offene Nüchternheit und deren großes Maß an Selbstironie Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in ihren Bann schlagen.



Rezension:

Plumps – und ich bin aus der Welt gefallen.
Keine Tränen. Ein Gefühl, als löse sich mein Körper auf, als verdampfe er einfach, würde zu einem kleinen blassen Wölkchen und flöge davon. Auf Nimmerwiedersehen in Richtung Universum. Meine Schwere, das Gewicht meiner Glieder – weg. Ich bin in meinem Körper und auch wieder nicht. Sehe die Situation von außen. Bin erste und dritte Person zugleich, ich und sie. Meine Seele hat kein stabiles Haus mehr. Vielleicht fühlt sich so der Tod an. Der Körper verschwindet, die Seele flattert ziellos durch die Gegend. Zumindest fühlt sich so die Todesangst an.
(Seite 8)


Im Alter von fünfundzwanzig Jahren, mitten im Leben stehend, mit unzähligen Plänen für die Zukunft erhält eine alleinerziehende Mutter die Diagnose Brustkrebs. Was mag im Kopf dieser jungen Frau vorgehen, wie wird sie ihrer Familie und ihren Freunden davon erzählen, was wird aus ihren Träumen und Zukunftsplänen, wie wird es weitergehen? Was wird aus ihrem kleinen Mädchen werden, sollte es zum Allerschlimmsten kommen? Wie wird der Kampf gegen den Krebs aussehen, wie viel Kraft wird es die junge Frau kosten, wie viel Hoffnung auf Heilung gibt es wirklich? Und warum eigentlich ausgerechnet sie?
Das sind nur einige Fragen, die Judith End sich und anderen in der Zeit nach der Diagnose gestellt hat. Nicht auf jede wird der Leser, vielleicht eine andere betroffene junge Frau, eine Antwort finden, doch Sterben kommt nicht in Frage, Mama! ist auch kein Ratgeber dieser Art. Vielmehr soll das Buch anderen Krebspatientinnen und -patienten Kraft und Mut geben, indem es aufzeigt, dass der Kampf niemals alleine ausgefochten werden muss, sondern immer auf Unterstützung gehofft werden kann. Auch von gänzlich unerwarteter Seite.

Judith End hat ihre Geschichte aufgeschrieben, um sie ursprünglich in einer Zeitschrift zu veröffentlichen - ohne Gejammer und ohne Schöngerede, sondern die schlichte Wahrheit und das hässliche Gesicht der Krankheit mit all seinen Facetten. Dabei verbindet sie die sachliche mit der emotionalen Ebene und lässt den Leser ganz nah an sich heran - und der Leser umgekehrt ebenfalls. Diese wahre Geschichte berührt Saiten, von denen man längst nicht mehr dachte, dass sie noch zum Klingen gebracht werden können. Und man fühlt sich als Leser gar nicht belästigt, denn Judith End will kein Mitleid wecken, sondern informieren. Informieren darüber, wie es im Leben einer Krebspatientin aussehen kann, wie vielseitig und kurzfristig wandelbar die Emotionen sind, in welchem neuen Licht die Umwelt wahrgenommen wird, welche Entbehrungen in Kauf genommen werden müssen - so viel Hintergrundwissen liefert die Autorin mit ihrer ganz persönlichen Erfahrung.

Sterben kommt nicht in Frage, Mama! ist definitiv kein leichtes Buch, weder beim Lesen noch beim anschließenden Verarbeiten. Viele kleine und auch längere Pausen, um über das Gelesene nachzudenken und sich einige Fragen zu stellen, müssen hier in den Zeitplan aufgenommen werden. Vor allem betroffene Leser - sei es persönlich oder durch Familie und Bekannte - werden das Buch öfter zur Seite legen müssen. Trotzdem ist die persönliche Geschichte von Judith End ein Buch, das zu lesen sich in jedem Fall lohnt. Man bekommt hier keine reißerische Geschichte und auch keine malerischen Bilder, dafür aber das echte Leben, echte Emotionen und einen anderen Blick auf viele alltägliche Dinge in der Welt.

Schreiben ist letztlich beides. Trost und Trauer zugleich. Beim Schreiben komme ich mir nahe, kann ich mich mit mir selbst verbinden. Schreiben hilft mir, mich auf mich selbst zu konzentrieren, hilft, dass meine Gedanken nicht davon- und durcheinanderwirbeln wie Blätter in einem Sturm. Beim Schreiben lichtet sich der Nebel, denn wenn ich meine Gefühle formuliere, kann ich sie besser fühlen.
Wenn ich später lese, was ich geschrieben habe, lese ich manchmal eine traurige Geschichte. Manchmal weiß ich aber auch nicht, ob es wirklich eine traurige Geschichte ist. Es ist eine wahre Geschichte. Und manchmal ist es gar nicht wichtig, ob sie glücklich oder traurig ist. Ich will sie bewahren. Ich will nichts vergessen.
(Seite 284)




Fazit:

Angst, Hoffnung, Niedergeschlagenheit, Ehrgeiz, Kampfgeist und der Wille zu überleben – all das und noch vieles mehr gibt Judith End in ihrer Geschichte betroffenen und unbetroffenen Lesern mit auf den Weg. Sterben kommt nicht in Frage, Mama! ist eine Aufforderung zum Durchhalten, zum Kämpfen und zum Niemalsaufgeben, eine Liebeserklärung an das Leben, die Liebe und die Freundschaft. Der Bericht von und über eine Kämpferin, die vermittelt, dass zeitweise Hoffnungslosigkeit in Ordnung ist, wenn man das Wiederaufstehen nicht aus den Augen verliert.



Wertung:

Von einer Bewertung nach Punkten wird abgesehen.
Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 30. Dezember 2010
 

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